Bootsanleger & Camping Neu Göhren

Eigentlich bin ich ein Mensch, der immer zuerst das Gute sucht. Kritik äußere ich ungerne ohne auch positive Dinge hervorzuheben, denn die gibts eigentlich immer. Bei diesem Campingplatz fällt mir das aber ausgesprochen schwer – das einzige Positive, was mir nach einigem 20160819_175434 (Medium)Nachdenken einfiel waren die überaus freundlichen und netten Dauercamper auf diesem Platz. 
Ansonsten ist dieser Campingplatz in unserem bisherigen, kurzen Wohnmobilistendasein unsere erste echte Totalkatastrophe – dageblieben sind wir eigentlich nur, weil wir am nächsten Tag in der direkten Nachbarschaft an einem Geocaching-Event teilnehmen wollten.

Es fing schon mit dem etwas unorientierten Personal an – für zwei Nächte bezahlten wir (im nachhinein angemessene) 14€, bekamen aber keine Quittung oder ähnliches, Kennzeichen oder Personalien wurden auch nicht notiert. Danach wir wurde uns mit einem Schwenk des rechten Arms unser ungefährer Stellplatz zugewiesen. „Hier auf der Wiese könnt ihr euch irgendwo hinstellen, Hauptsache euer Kabel ist lang genug“. Die Frage, ob und wie wir Brötchen bestellen können, wurde mit „Morgen ist Dienstag, da kommt der Bäckerwagen um 8:30 Uhr und hupt auf der Brücke“. Tatsächlich war es gerade Freitag…
Auf der zugewiesenen Wiese war irgendwie überhaupt nicht erkennbar was Fahrweg, und was Stellplatz ist, egal wo hätte ich immer das Gefühl gehabt im Weg zu stehen. Glücklicherweise wies uns ein anderer Gast bei unserem etwas ratlosen Rundgang auf eine abgelegene, verwaiste Dauercamperparzelle hin, die wir dann mit Ole auch enterten.

Schon bei der Anmeldung im reichlich verräucherten Restaurant war uns aufgefallen, daß es genau so wie vor vielen Jahren aussah als wir hier einmal per Boot mit unseren damaligen Bootsclub-Kameraden Rast machteten. Nur leider war z.B. der Teppichboden im kleinen Saal immer noch der gleiche, inzwischen aber extrem verdreckt. Meinen Wunsch nach einer anständigen Currywurst mit Pommes verschob ich dann doch lieber…
Auch an den sanitären Einrichtungen für die Bootstouristen ist der Zahn der Zeit nicht ohne Spuren vorbeigegangen, kaputte, schief wieder angeklebte Fliesen gab es damals auch schon. Die Sani-Container auf dem Campingplatz sind in einem ähnlich schlechten Zustand – im Herrenklo ist die Klobrille zerbrochen, der total weiche Boden vor der Dusche gibt ca. 4cm nach, und das Reinigungspersonal hat sich nicht um die leere Klopapierrolle gekümmert – wenn es überhaupt einmal da war.

Insgesamt macht der gesamte Campingplatz einen ungepflegten, fast schon verwahrlosten Eindruck. Beleuchtung gibts nachts offenbar keine. Dafür gibts aber diverse Gerümpelecken mitten auf dem Platz, Container stehen in loser Anordnung herum und mehrere Boote, Trailer und Bootsleichen werden auf wunderschönen Plätzen gelagert, wo man als Tourist mit WoWa, WoMo oder Zelt sicherlich gerne stehen würde.

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Der unerreichbare Grauwasserauslass

Die Entsorgungsstation ist eigentlich eher eine Müllhalde, offenbar ist es üblich einfach seine Mülltüte auf den Boden zu werfen. Als Krönung des Ganzen war dann von Samstag Nachmittag bis zu unserer Abfahrt am Sonntag Vormittag auch noch die Grauwasserentsorgung für WoMos mit Containertrailern zugestellt, eine Kassettenentsorgung habe ich übrigens nicht gefunden. Und in der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde uns musikalisch eindrucksvoll mitgeteilt, daß die Platzordnung hier sehr flexibel ausgelegt wird.

Dabei hat das gesamte Areal ein unübersehbares Potential – der riesige Wendebereich vor der Einfahrt zum Campingplatz bzw. Restaurantparkplatz ist eigentlich ideal für einen Wohnmobilhafen mit 10 bis 12 Stellplätzen. Mit ein paar Leiteinrichtungen, Markierungssteinen und ein/zwei Stromsäulen könnte man die Touriwiese wesentlich attraktiver gestalten. Und wenn man die zugewucherten Büsche zum Bootsanleger im unteren Bereich kräftig ausästen würde und die Bootsruinen umparken würde hätte man sogar einige richtige Luxusplätze mit Wasserblick für die man Aufpreis verlangen könnte.

Jetzt fragt man sich natürlich, warum es dort so viele Dauercamper gibt. Aus Gesprächen ergab sich daß die Leute es fatalistisch sehen – die sanitären Einrichtungen des Platzes werden eh nicht benutzt weil sich dort viele Leute kurzerhand ein eigenes Bad auf ihre Parzelle gebaut haben. Zum Essen geht man dort ins Restaurant auch nicht, höchstens mal auf ein Bierchen. An der großen Anzahl Briefkästen ist auch erkennbar daß es dort wohl auch schon einige Erstwohnsitze gibt, scheinbar ist die Dauerplatzmiete wenigstens günstig. Und ansonsten ist die Tatsache, daß Touristen es höchstens eine Nacht aushalten aus Sicht eines Dauercampers auch nicht schlecht, so behält man dann eben seine gemütliche Ruhe…

Fazit: Nicht einmal für eine Übernachtung zu empfehlen, wir kommen hier garantiert nicht wieder her.

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