Minikreuzfahrt Kiel-Oslo-Kiel mit der Color Fantasy

Diese Tour haben wir vom 17. bis 19.Juni 2013 gemacht. Auf die Idee zu dieser Minikreuzfahrt hat uns einer meiner Kollegen gebracht, er war mit seiner Familie im Sommer 2012 auf gleichem Kurs unterwegs.
Nehmt euch Zeit, dieser Bericht ist etwas länger…

Die Buchung:
Wir haben seit Herbst letzten Jahres die verschiedenen Buchungsmöglichkeiten auf der Webseite von Color Line beobachtet. Die Preise für die zur Verfügung stehenden Pakete wechseln teilweise von einen Abfahrtstag auf den anderen um 50% – um einen Überblick zu bekommen muß man sich aber leider immer wieder durch das Buchungssystem durchhangeln was auf die Dauer nervig ist. Bei einem Kiel-Besuch anlässlich einer anderen Veranstaltung (Sascha Grammel – Keine Anhung!) haben wir uns das Color Line Fährterminal einmal von innen angesehen und mit jemandem im Buchungsbüro geschnackt. Ergebnis: Es ist besser persönlich anzurufen und mit dem Berater einen passenden Termin mit günstigen Konditionen zu suchen.
So hat das meine GöGa Pamela für ein befreundetes Pärchen und uns denn auch gemacht – und Anfang März für den Juni eine Mini-Kreuzfahrt mit 3-Sterne Doppelbettkabinen mit Meerblick inkl. Halbpension für 191,45€ pro Person gebucht. Auf der Color Line Webseite wird dieses Paket als „Kulinarische Mini-Kreuzfahrt Schlemmerbuffet“ beworben, die Meerblick-Kabine macht die Differenz zum beworbenen Preis aus. Zu diesen Kabinen gibts noch mehr zu berichten, aber dazu weiter unten mehr…

Das Schiff:
Color FantasyDa kommt man nur rauf wenn man ein Check-In ähnlich wie auf einem Flughafen durchläuft. Zwei Stunden vorher vor Ort sein, Buchungsunterlagen sowie Ausweise vorzeigen und Bordkarten abholen, nur durchleuchtet wird man nicht. Wir haben die Kabine 10-950 bekommen, unsere Freunde die 10-948. In der Wartezeit konnte man sich im Terminal diverse Flyer und Modelle des Schiffes ansehen. Dort konnte man erkennen daß diese Kabinen auf Deck 10 zum Einen ziemlich weit oben und zum Zweiten weit hinten befinden mussten. Ich tippte laut den horizontalen Decksplänen sogar auf die letzten Kabinen an einer der beiden Seiten. Irrtum, es wurde sogar noch besser – diese Kabinen liegen auf der Rückseite der Aufbauten, unsere 950 sogar exakt in der Mitte des Schiffes. Das war schon einmal der erste Glücksfall…
Die Kabine ist ausreichend groß, das Bett echte 2m lang, das Bad größer als ich es in manchem Garni-Hotel erlebt hab – alles in allem würde sich so eine Kabine eher wie Hotelzimmer als Schiffskabine anfühlen wenn das große Bullauge nicht wäre.

Die Orientierung an Bord ist kein Problem, überall in den Gängen hängen Schilder die zu den Aufzügen bzw. Treppenhäusern führen. Dort an diesen Knotenpunkten gibt es kleine Modelle des Schiffes an dem man sich Orientieren kann. Diese Aufzüge sind noch ein paar Worte wert – wenn ich richtig gezählt habe gibt es an Bord 16 Lifts die unterschiedlich weit durch das Schiff fahren. Und das mit einem Affentempo, die Beschleunigung und Abbremsung der Kabinen ist eindrucksvoll.
Die Lebensader auf diesem Schiff ist die drei Decks hohe, längs durch den Rumpf führende Promenade auf Deck 7 mit Restaurants, Läden, Bars und Pubs. Die Innenkabinen der Decks 8 und 9 haben Fenster in diesen Bereich. Durch diese Promenade geht man hindurch um zum großen Restaurant „Grand Buffet“ zu kommen oder um im Duty-Free Shop einzukaufen. Weitere Möglichkeiten zum Essen, Trinken und Amüsieren gibt es auch noch auf den obersten Decks 12 bis 15.


Nirgendwo auf dem Schiff habe ich herumliegenden Müll gesehen, es gab keine defekten Lampen, klemmende Türen oder ähnliches. Das Personal war immer freundlich und hilfsbereit, aber nie aufdringlich. Einzig die beiden Internet-Terminals in der Promenade funktionierten nicht – möglicher Grund dafür ist die Verlegung von Netzwerkkabeln durch die Kabelschächte von Deck zu Deck die man beobachten konnte, es werden also auch während der Fahrt Arbeiten am Schiff durchgeführt. Aber alles lautlos und unauffällig.
Rund herum hatte man das Gefühl gut aufgehoben zu sein. Von den Maschinen ist übrigens auf der Promenade und in der Kabine nichts zu hören, nur ein ganz leichtes Vibrieren ist Indiz dafür daß man sich auf einem fahrenden Schiff befindet.

Das Essen:
Buffet„Kulinarisches Schlemmerbuffet“. So wird die Halbpension in dem von uns gebuchten Paket beschrieben. Natürlich liest man sich im Internet vor der Reise solche Berichte wie diesen durch und redet mit Leuten die diesen Törn schon gemacht haben um sich eine Vorstellung von der Sache zu machen. Meine Erwartung was Qualität, Vielfalt und Menge der Speisen auf dem Buffet angeht betrifft wurde jedenfalls weit übertroffen, eigentlich ist die einleitende Beschreibung eher eine Untertreibung. Beim Abendbuffet habe ich z.B. Lachs in mindestens sieben verschiedenen Zubereitungsarten gesehen, drei Sorten Krebstiere und vier unterschiedliche Fleischsorten habe ich entdeckt – ich bin aber überzeugt daß ich weder vom Frühstücks- noch von dem Abendbuffet alles gesehen habe. Und gegessen habe ich davon noch viel weniger…
Es ist schlicht unmöglich eine zusammenfassende Beschreibung zu geben – man muß es einfach selber erlebt und gegessen haben. Geschmacklich gibts viele Überraschungen, was scharf aussieht ist nur würzig, was harmlos aussieht treibt einem die Tränen in die Augen, nüchtern ist eigentlich nichts. Kurz gesagt – nur Genußmenschen sollten dieses Paket buchen, Asketen und Veganer werden hier bestimmt nicht glücklich.
Nur eins ist merkwürdig: Zum Frühstück gibts keinen Lachs…?

Oslo:
OsloZur Beschreibung der Stadt gehört nach meiner Ansicht auch die Fahrt durch den Oslofjord. Man sollte früh genug aufstehen und das Frühstücksbuffet hinter sich haben um in Ruhe zu erleben wie das Schiff durch enge Stellen und um kleine und große Felseninseln herum gezirkelt wird. Richtig interessant wird es wenn das Fahrwasser durch kleine Leuchtfeuer die wie Minileuchttürme aussehen begrenzt wird. Alleine diese wunderschönen Szenarien die sich einem während dieser Augenblicke bieten lohnen die ganze Anfahrt.

Vier Stunden Aufenthalt haben die Fähren in Oslo und Kiel, schon für das kleinere Kiel ist das viel zuwenig Zeit um einen Eindruck von der Stadt zu bekommen. Für das größere Oslo gilt das sicherlich noch mehr weshalb Pam und ich auf die durch Color Line organisierte Stadtrundfahrt verzichtet haben. Statt dessen sind wir auf eigene Faust in der Stadt unterwegs gewesen – auch um mindestens einen Geocache zu finden. Es wurden sogar zwei…

Letztendlich muß man wohl wenigstens eine Nacht in Oslo übernachten um zu mindestens die Innenstadt und die in der Nähe liegenden Sehenswürdigkeiten sehen zu können, z.B. den Holmenkollen oder das Fram-Museum möchte ich ausführlich sehen. Pakete in dieser Art werden von Color Line auch angeboten, ich kann mir vorstellen die nächste Tour auf diese Art zu verlängern…


Die Preise:
Ja, es stimmt – das Bier ist wirklich nicht billig an Bord. Der Wein, der zum Abendbuffet als Empfehlung auf dem Tisch steht ebenfalls nicht. Aber nur aus der Sicht von uns Deutschen, denn wenn ich die Preise auf dem norwegischen Festland sehe ist es auf dem Schiff für Norweger verhältnismäßig günstig.
Der erste Eindruck im Duty-Free-Shop ist ähnlich, übrigens sind nur dort alle Waren zusätzlich zu norwegischen Kronen auch in Euro ausgepreist. Wer über die vermeintlich hohen Preise dort enttäuscht ist sollte aber einmal einen Blick auf die Unterlagen werfen die er beim Einchecken bekommen hat – die Bordkarte ist der Ausweis für satte 20% Rabatt! Zeigt man die an der Kasse vor, wird in allen Läden (Ausnahme: der 24h-Kiosk neben der Rezeption) an Bord dieser Rabatt gewährt. Und schon wurden meine beiden Wunschmaltwhiskys wieder echt günstig, besonders wenn man in Betracht zieht daß man hier einen Liter, also über ein Viertel mehr Alkohol kauft.
Wer also unbedingt ein günstiges Bier will geht am besten in den Duty-Free-Shop und holt sich da ein Sixpack…

Sonstiges & Fazit:
Wir hatten mit dem Wetter unverschämt viel Glück. Die beiden Abende lieferten sehr schöne Sonnenuntergänge für die man allerdings Abends lange Zeit auf Deck bleiben mußte, schließlich ging es auf Mittsommer zu. Dies ist der Grund warum ich zu den vielgelobten abendlichen Showprogrammen nicht viel schreiben kann – wir haben sie schlicht nicht gesehen. Zuerst noch einige weitere Bilder die sonst nirgendwo hin passten.

Zum Schluß fällt mir nun auch etwas zum meckern ein: Das Schiff fährt eigentlich viel zu schnell weswegen man viel zuwenig Zeit hat alle Angebote an Bord zu genießen … aber das ist ja eigentlich auch nur ein weiterer Grund diese schöne Reise irgendwann zu wiederholen.

Und nein, ich werde von niemandem bezahlt um diesen durchweg positiven Beitrag zu schreiben – was gut ist verdient es meiner Meinung nach auch entsprechend gewürdigt zu werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*