Schnupperwoche an der polnischen Ostseeküste

Ich habe hier im Blog in letzter Zeit ein wenig geschludert, ich muss noch einige Womo-Reiseberichte und Stellplatzerfahrungen auf digitalem Papier festgehalten. Hier der zweite „Nachtragsbeitrag“:

Um gleich zum Anfang die gängigsten Klischees zu bedienen:

  • Nein, das WoMo wurde uns nicht geklaut.
  • Ja, die Strassen sind meistens schlechter als bei uns. Wir sind in D allerdings auf bestem Wege das Niveau anzupassen.
  • Nein, die Polen sind nicht nur am faulenzen, im Gegenteil.
  • Ja, es gibt dort im Supermarkt mehr Wodkasorten als bei uns Mineralwassersorten.

Ansonsten verlief unsere „polnische Woche“ erfreulich. Man sollte als deutscher Wohnmobilist allerdings keinen der aus D gewohnten, mit gehobenem Standard ausgestatteten Stell- oder Campingplätze als Maßstab nehmen. Die Sanitäranlagen in den von uns besuchten Plätzen waren eher rar vorhanden und eher einfach gebaut, die Elektroanlagen machten durchweg einen provisorischen Eindruck, funktionierten aber immer.

Die von uns besuchten Campingplätze im Einzelnen:

Camping Nr.24 Misdroy, der erste Campingplatz den man nach dem Fährübergang über die Swine erreicht. Extrem nettes, zuvorkommendes, deutsch sprechendes Personal, wir hatten unsere norwegischen Freunde mit einer Ankunftzeit zwischen 21:00 und 24:00 Uhr angemeldet – das war überhaupt kein Problem, der Nachtwächter fragte irgendwann gegen 01:00 Uhr nach ob er nun das Tor schließen könnte. Dieser Platz hatte, was die Anzahl anging unter allen von uns besuchten Plätzen die beste Sanitärausstattung. Beeindruckend war das superschnelle kostenlose WLan, welches bis in die allerletzten Ecken des topfebenen Geländes empfangbar ist.

Camping Tramp, genau das Gegenteil – höchstens die Wege haben einmal ein Planiergerät zu Gesicht bekommen, ansonsten durchweg uneben bis hügelig. Das einzige geöffnete Sanigebäude war eine Baustelle – um zum Herren-Klo zu kommen mußte man über aufgestapelte Fliesen klettern. Allerdings durfte man während der Kletterei nicht vergessen sich Klopapier zu ziehen, dort gab es nur eine einzige Rolle vor den ca. 8 Klokabinen. Überhaupt wurde auf dem gesamten Platz gebaut, wobei man nicht immer ekennen konnte was das eigentlich werden sollte. WLan? Sollte es angeblich geben, kann sein daß es sich in den diversen Gehäusen, die wirr in den Bäumen hingen erfolgreich versteckte. Elektrik – wirklich vorhanden, allerdings für mich irgendwie ein Wunder daß eine solche Verteilung funktioniert…
Einziges Pfund, mit dem der Campingplatz wuchern kann ist der sehr saubere, wunderschöne, breite Sandstrand.

Camping Nr.78 Baltic. Kołobrzeg (Kolberg) ist ein alter Kur- und Urlaubsort an der Ostsee, es gibt dort viele Kur- und Schönheitskliniken die offenbar von vielen deutschen Kunden genutzt werden. Fast mittendrin liegt in fussläufiger Entfernung zur Strandpromenade der Campingplatz. Sehr empfehlenswert ist das Restaurant „Pergola“ in der Nähe des alten Leuchtturms, dort wurden wir für wenig Geld fürstlich bewirtet. An dieser Stelle hätte ich eher einen „Abzockladen“ erwartet – aber weit gefehlt! Der relativ eng parzellierte Campingplatz war überwiegend mit deutschen Besuchern prall gefüllt. Nach einigen Verhandlungen durften wir einen bisher nicht belegten Bereich nutzen, allerdings mit dem Nachteil einen weiten Weg zu dem einzigen geöffneten kleinen (je zwei Duschen…) Sanibereich zu haben. Das Sanigebäude in unmittelbarer Nachbarschaft wurde auch gerade renoviert. Weiterer Nachteil: Der Platz liegt an der Eisenbahnstrecke zum Kolberger Hauptbahnhof die direkt vor dem Platz unbeschrankt diverse Strassen kreuzt. Dummerweise ist das ein Sackbahnhof, dementsprechend bekommt man jeden Zug zwei Mal mit, denn polnische Lokführer benutzen das Signalhorn gerne, lang und laut…

Insgesamt war die knappe Woche eine gute Erfahrung auf der sich aufbauen lässt, Polen wird uns wiedersehen – wenn es denn will, die innenpolitische Entwicklung ist dort ja aktuell etwas unübersichtlich…

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