Durchfahrt verboten? Nicht für mich…

Je mehr man zu den älteren Semestern gehört, um so mehr fällt einem auf, dass die soziale Kompetenz der Bevölkerung mit dem Angebot sozialer Netzwerke einfach nicht Schritt halten kann. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl, dass viele Mitbürger einfach nicht mehr „community-fähig“ sind, sie verstehen offenbar den täglichen Umgang mit ihren Mitmenschen nicht mehr als ein Miteinander, sondern als einen permanenten Konkurrenzkampf. Selbst eindeutige Verbote im Strassenverkehr werden nicht mehr Ernst genommen.
Beispiele gefällig?

  • Frühmorgens auf der B216 in Richtung Lüneburg ist ein normaler Sicherheitsabstand für die Drängler nur eine Aufforderung, an den unmöglichsten Stellen zu Überholen. Wenn es knapp wird, schert man einfach ein, der Überholte wird schon bremsen.
  • Auch B216 am Morgen: Gegenverkehr ist kein Grund, das Überholmanöver abzubrechen – der Entgegenkommende wird schon anhalten oder Platz machen…
  • Im normalen Strassenverkehr, z.B. in Hamburg. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich als wartender Rechtsabbieger im Strassenverkehr das letzte Mal von einem Vorfahrberechtigten in den Verkehr gewunken wurde.
  • Wenn ich auf mein Vorfahrtsrecht aber einmal verzichte, werde ich von empörten Hintermännern angehupt.
  • Man beobachte einmal auf einem Supermarktparkplatz seiner Wahl einmal das Parkverhalten – wenn die Parkplatzreihe mit dem geringsten Abstand zum Eingang voll ist, parkt man nicht in der zweiten Reihe, sondern stellt sein Auto in den Durchgängen oder den Zufahrtswegen zu den anderen Parkplatzreihen ab.
  • Teilsperrung der heimatlichen Hauptstrasse wegen Wasserrohrbruch: Als noch nach dem defekten Rohr gebuddelt wurde mussten sich die Bauarbeiter diverse Pöbeleien der Fahrer anhören, die sich trotzdem durch die Engstelle drängelten und mal hinter einem Radlader warten mussten.
  • Ein Betroffener des Rohrbruchs pöbelt in Facebook herum, weil die Bauarbeiter des Notdienstes am Samstag nicht schnell genug arbeiten und wünscht sich (zur Lösung des Problems?) eine Pumpgun.
  • Etwas später dann Vollsperrung der Strasse, die kurze Umleitung durch den Ort ist ausgeschildert. Man braucht keine 15 Minuten warten, bis jemand an den Durchfahrt Verboten- und Umleitungs-Schildern vorbei fährt und erst an den Sperrbaken höchst umständlich wendet, um dann doch die Umleitung zu fahren.
  • Die ganz besonders Dummdreisten räumen sich lieber die Sperrbaken weg und fahren einfach durch die Baustelle. Der Fahrer des Milchlasters vom Dienst kurvte mit seinem Lastzug durch die Baustellenfahrzeuge bis er einen hängen gebliebenen Sperrzaun mitschleifte. Und selbst Mitglieder der örtlichen Feuerwehr düsen in beiden Richtungen mit ihren Privatfahrzeugen durch die Absperrungen.
  • Klappt das mit dem Wegräumen der Baken nicht, fährt man eben über den Gehweg –  stehen oder gehen da Leute im Weg rum, fährt man eben so dicht ran bis die Notbremsautomatik(?) das Auto anhält und die Stossstange den Fussgänger so anstupst dass er sich auf der Motorhaube abstützen muss.
  • Spricht man die Leute auf ihr Verhalten an, erntet man nur Schulterzucken, Unverständnis, Flüche und Beleidigungen, einzig der Milchkutscher sah seinen Fehler ein.

Ich will hier nun nicht den Moralapostel spielen. Ich selbst bin kein Kind von Traurigkeit und war es auch nie – aber woher zum Teufel nochmal kommt so ein unsoziales Verhalten? Was haben die Eltern dieser Zeitgenossen bei der Erziehung verkehrt gemacht? Wer ist solchen Leuten Vorbild gewesen?

Empfindet ihr das auch so, oder macht mich mein fortgeschrittenes Alter einfach nur sensibler?

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