Camping “Stogi” Nr.218, Gdansk (Danzig), PL

Die Martwa Wisła

Die Stadt Gdansk (Danzig) war einer der Orte die wir uns als Ziel in Polen gesetzt hatten. In der Stadt selbst gibt es zwar einen Stellplatz, der sagte mir aber aufgrund der Lage und den Rezensionen nicht zu. Als einzige Alternative fanden wir bei unserer Reiseplanung in den üblichen Apps den Campingplatz Stogi Nr. 218. Hier gibt es zwar auch einige Plätze für Zelte, Wohnwagen und Wohnmobile, hauptsächlich vermietet der Platz aber Hütten und fest installierte Wohnwagen. Der direkte Nachbar Camping Nr.114 Gdańsk ist als reiner Wohnmobil- und Wohnwagen-Park eher geeignet, das haben wir aber erst vor Ort festgestellt. Weiter hinten im Wald gibt es noch einen weiteren Campingplatz, auch dort werden hauptsächlich Hütten angeboten, die zur Zeit unseres Besuches aber mit ukrinischen Flüchlingen belegt waren. Dieses “Campingzentrum” befindet sich etwas abseits vom Danziger Stadtbezirk Stogi und ist per Strassenbahn am Rest der Stadt angeschlossen, die Endhaltestelle der Tram ist gut zu Fuß zu erreichen. Ein paar Schritte weiter erreicht man den gepflegten großen Strand an der Danziger Bucht. Die Wälder rundherum eignen sich gut zum spazieren gehen, Einkaufsmöglichkeiten gibts etwas weiter weg im Zentrum von Stogi.

ÖPNV in Gdansk: Mit der modernen, im 20min-Takt fahrenden Strassenbahn ist man in gut einer halben Stunde mitten in der Stadt – wenn man denn problemlos an Fahrkarten käme. Es gibt weder an den Haltestellen noch im Zug einen Fahrkartenautomaten, statt dessen sind an der Haltestelle mehrsprachige Hinweise zu hauptsächlich polnischsprachigen Apps aufgehängt mit denen man die Tickets online erwerben kann. Als einzige habe ich nach einigen Versuchen die App “Jakdojade” dazu überreden können mir Tickets auf englisch zu verkaufen. Voraussetzung ist aber die Nutzung von Google Pay damit man von dort Guthaben in die App laden kann, von diesem Guthaben werden dann die Tickets bezahlt, eine Verbindung zu meiner Kreditkarte war nicht möglich. Touristentickets für eine Familie mit einem ganzen Tag Gültigkeit für das gesamte Stadtgebiet gibt es leider auch nicht, man muß also wissen welches Einzelticket man braucht, aber da gibt die App einige Hilfen wenn man weiß wo die Fahrt losgeht und wo man aussteigen will. Insgesamt ist die Nutzung der Tram für die einheimische Bevölkerung sicherlich einfach und bequem, für Touristen aber sehr umständlich. Empfehlung: Man sollte sich Sitzplätze suchen, die Trampiloten nutzen die sportliche Beschleunigung der Triebzüge auch in den engeren Kurven gerne voll aus…

Innenstadt Gdansk: Weltoffen, selbstbewusst und modern sind Begriffe die mir nach dem Besuch der Gdansker Innenstadt einfallen. Sehenswert ist auf jeden Fall die große Fußgängerzone Długa mit dem Neptunbrunnen und den vielen restaurierten Stadthäusern. Parallel dazu verläuft die Mariacka in der es nur Bernsteinhändler gibt. Aber nicht nur dort, eigentlich wird in der Gdansker Innenstadt überall mit Bernstein gehandelt. Die Altstadt ist oder wird zum allergrößten Teil restauriert, dort wo neue Gebäude hochgezogen wurden passen sie sich in das Bild der benachbarten Gebäude ein, einzig die Straßen hinken mit ihrem Zustand noch hinterher. Dieser Umstand wurde aber von dem Stadtführer, der uns mit seinem ungefederten gestretchtem Golfcart durch die Altstadt fuhr, pragmatisch mit der Bemerkung abgetan daß polnische Straßen eben so sein müssten.

Außerdem zeigte der Stadtführer uns, von uns nicht geplant oder verlangt, noch Orte die im Zusammenhang mit Lech Wałęsa, der Gewerkschaft Solidarność, Polens politischen Wandel in den 80/90ern und damit dem Fall der Eisernen Vorhänge in Europa stehen. Das waren:

Die Danziger Werft (Lenin-Werft): Hier arbeitete Lech Wałęsa in den frühen 70ern als Elektriker und war Anfang der 80er an den Streiks beteiligt die über die Gründung der Gewerkschaft Solidarność schließlich in den politischen Wandel zur Demokratie in Polen führten. Dort am ehemaligen Eingang der Werft zu stehen war ein merkwürdiges Gefühl, schließlich hat man diese Entwicklungen in den Medien und später selbst bei dem deutschen Mauerfall miterlebt.

Die Brigittenkirche, auch Basilika der Heiligen Brigitta: Diese Kirche war Treffpunkt der Solidarność-Mitglieder, der damalige Propst der Kirche war Lech Wałęsas Beichtvater. Heute befindet sich ein Bernsteinaltar in der Kirche der dem Andenken der Werftarbeiter gewidmet ist die bei den Protesten im Dezember 1970 in der Danziger Werft ums Leben kamen.

Das Denkmal für die gefallenen Werftarbeiter von 1970: Auch dieses Denkmal ist den Opfern der Aufstände in den 70ern gewidmet. Lech Wałęsa hat sich angeblich an der Durchsetzung des Denkmals aktiv beteiligt, das Monument war das erste Denkmal für die Opfer kommunistischer Unterdrückung das in einem damals noch kommunistischen Land errichtet wurde.

Insgesamt hat uns der gut deutsch sprechende Stadtführer über eine Stunde in der Stadt umher gefahren, gut informiert und gut unterhalten. Zum Schluß zeigte er uns noch das etwas versteckt liegende Restaurant “Restauracja Dominikańska” wo hauptsächlich Einheimische essen gehen, tatsächlich schmeckte es uns dort wirklich gut. Der Stadtführer hat seinen Stammplatz offenbar beim Stadttor Złota Brama (Langgasser Tor) am Ende der Długa, dort hat er uns jedenfalls angesprochen und aufgegabelt.

Möglich, daß wir Danzig noch einmal besuchen, dies war auf jeden Fall eins der Highlights dieses Urlaubs…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Post comment

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen